22. August 2026
Mein Nackthafer ist endlich bereit, ein besonderes Korn und eine Reise bis in die Pfalz
Vom ersten Anbauversuch in Dirmingen bis zur fertigen Packung – die Geschichte hinter meinem eigenen Nackthafer

Manche Produkte in meinem Laden beginnen mit einer einfachen Frage. Kann das auch bei uns in Dirmingen funktionieren? Genau so war es bei meinem Nackthafer.
Im Frühjahr habe ich ihn zum ersten Mal auf einem meiner Äcker ausgesät. Es war ein Versuch, bei dem ich nicht wusste, wie gut dieses besondere Getreide mit unserem Boden und unserem Wetter zurechtkommt. Umso größer war meine Freude, als es auf Anhieb funktionierte und ich tatsächlich meinen ersten eigenen Nackthafer ernten konnte.
Warum heißt er eigentlich Nackthafer?
Normaler Hafer wächst fest umschlossen von einer harten Spelze. Diese Schale ist für uns Menschen nicht genießbar und muss nach der Ernte technisch entfernt werden.
Beim Nackthafer ist das anders. Seine Spelze sitzt nur locker am Korn und fällt normalerweise bereits beim Dreschen ab. Das Korn kommt gewissermaßen nackt aus dem Mähdrescher. Dadurch muss es nicht erst aufwendig geschält werden und kann als vollständiges Korn verwendet werden.
Ganz ohne Spelzen geht es allerdings nicht immer. Auch Versuche der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zeigen, dass je nach Sorte und Erntejahr ein kleiner Anteil der Nackthaferkörner seine Spelze behalten kann. Bei den untersuchten Sorten lag dieser Anteil zwischen null und 1,7 Prozent.
Genau dieses Problem hatte auch ich
Als ich meinen Nackthafer nach der Ernte genauer betrachtete, stellte ich fest, dass nicht alle Körner wirklich nackt waren. Zwischen den schönen Haferkörnern befanden sich immer wieder einzelne Körner, die noch vollständig in ihrer Schale steckten.
Bei wenigen Körnern wäre das kein großes Problem. Sind es aber zu viele, macht das beim Essen keinen Spaß. Niemand möchte morgens in seinem Müsli auf einer harten Haferschale herumkauen.
Also musste eine Lösung her.

Meine Petkus durfte natürlich zuerst ran
Mein erster Gedanke war meine Petkus, mein gutes altes Schätzchen. Mit dieser alten Getreidereinigungsmaschine habe ich schon viele Herausforderungen gelöst. Sie sortiert mit Sieben und Luft und trennt leichte oder anders große Bestandteile zuverlässig vom guten Korn.
Ich habe unterschiedliche Einstellungen ausprobiert und gehofft, dass ich die Körner mit Schale von den nackten Haferkörnern trennen kann. Doch diesmal musste sich selbst meine Petkus geschlagen geben. Die Unterschiede bei Gewicht und Größe waren einfach nicht groß genug. Die Körner ließen sich nicht sauber voneinander trennen.
Das ist genau der Punkt, an dem regionale Zusammenarbeit wichtig wird. Ich muss nicht jede Maschine selbst besitzen und nicht jedes Problem allein lösen. Entscheidend ist, jemanden zu finden, der das passende Wissen und die richtige Technik hat.
🌾 Die Lösung fand ich in der Pfalz
Ich brachte meinen Nackthafer zur Mühle Isemann in die Pfalz. Daniel Isemann besitzt dort einen modernen Farbsortierer und kann mit diesem auch kleinere Mengen bearbeiten.
Ein Farbsortierer erkennt jedes einzelne Korn anhand seines Aussehens. Die Haferkörner mit Schale unterscheiden sich farblich von den nackten Körnern. Die Maschine erkennt diesen Unterschied innerhalb eines Augenblicks und sortiert die unerwünschten Körner gezielt aus.
Auf diese Weise konnten wir etwa 99 Prozent der noch in ihrer Schale steckenden Haferkörner entfernen. Einige wenige können trotz aller Sorgfalt noch enthalten sein. Insgesamt haben wir nun aber eine sehr schöne und saubere Qualität erreicht.
Für mich ist das wieder eine dieser Geschichten, die hinter einem scheinbar einfachen Produkt stecken. Vom ersten Anbauversuch in Dirmingen über meine alte Petkus bis zum Farbsortierer in der Pfalz waren viele einzelne Schritte notwendig, bevor der Nackthafer schließlich im Regal stehen konnte.

Was macht Nackthafer so wertvoll?
Nackthafer ist ein echtes Vollkorn. Das Korn bleibt mit seinen wertvollen Randschichten und dem Keimling erhalten. Hafer liefert von Natur aus Ballaststoffe, Eiweiß und einen vergleichsweise hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Hinzu kommen verschiedene Vitamine der B-Gruppe, Mineralstoffe und die nur im Hafer vorkommenden Pflanzenstoffe Avenanthramide. Einen guten Überblick über die besondere Zusammensetzung gibt diese wissenschaftliche Zusammenfassung über Hafer.
Besonders bekannt ist Hafer für seinen löslichen Ballaststoff Beta-Glucan. Dieser quillt im Verdauungstrakt auf und sorgt dafür, dass Hafergerichte angenehm lange sättigen können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat bestätigt, dass täglich mindestens drei Gramm Beta-Glucan aus Hafer zur Senkung des LDL-Cholesterins beitragen können.
Ob Nackthafer grundsätzlich gesünder ist als jeder normale Hafer, lässt sich so einfach nicht sagen. Auch geschälter Spelzhafer ist ein wertvolles Lebensmittel. Der große Unterschied liegt für mich in der Ursprünglichkeit. Beim Nackthafer fällt die Spelze normalerweise schon beim Dreschen ab. Das vollständige Korn kann deshalb mit weniger Verarbeitungsschritten genutzt werden.
Nackthafer ist außerdem aromatisch und besitzt einen leicht nussigen Geschmack. Er eignet sich nicht nur für das klassische Frühstück, sondern auch für viele herzhafte Gerichte.
Was kannst Du aus den ganzen Körnern machen?
Mit einer Flockenquetsche kannst Du aus den Körnern frische Haferflocken herstellen. Frischer können Haferflocken kaum sein. Du kannst die Körner auch zu Schrot oder Mehl mahlen und für Brot, Brötchen, Kekse oder Kuchen verwenden.
Gekochter Nackthafer funktioniert ähnlich wie Reis oder Dinkelreis. Er passt zu Gemüse aus dem Garten, in Suppen, in Salate, in Bratlinge oder als Beilage zu einem herzhaften Gericht. Durch seinen angenehmen Biss und den nussigen Geschmack bringt er Abwechslung auf den Teller.
Ein warmes Nackthafer-Frühstück
Für zwei Portionen brauchst Du 120 Gramm Nackthafer, etwa 400 Milliliter Wasser oder Milch, einen Apfel, etwas Zimt und nach Geschmack Nüsse oder Honig.
Wasche die Körner gründlich und weiche sie am besten über Nacht ein. Am nächsten Morgen lässt Du sie je nach gewünschtem Biss etwa 25 bis 35 Minuten leise köcheln. Anschließend gibst Du einen klein geschnittenen Apfel und etwas Zimt dazu. Mit Nüssen, Joghurt oder einem Löffel Honig wird daraus ein einfaches und sättigendes Frühstück.
Herzhafter Nackthafer mit Gemüse
Für zwei Portionen brauchst Du 180 Gramm Nackthafer, etwa 500 Milliliter Gemüsebrühe, eine Zwiebel und Gemüse nach Saison. Besonders gut passen Zucchini, Möhren, Paprika, Tomaten oder Pilze.
Wasche den Nackthafer und koche ihn in der Gemüsebrühe etwa 35 bis 45 Minuten, bis er gar ist, aber noch einen angenehmen Biss besitzt. Währenddessen brätst Du die Zwiebel und das Gemüse in etwas Öl an. Anschließend vermischst Du alles und würzt es mit Salz, Pfeffer und frischen Kräutern. So entsteht ein einfaches regionales Gericht, das ähnlich wie ein Risotto gegessen werden kann.
Ein wichtiger Hinweis bei Zöliakie
Hafer nimmt unter den Getreidearten eine besondere Stellung ein. Durch Kontakt mit Weizen, Roggen oder Gerste auf dem Acker, beim Transport oder bei der Verarbeitung kann er jedoch Spuren anderer glutenhaltiger Getreide enthalten. Mein Nackthafer ist deshalb nicht als glutenfrei zertifiziert. Menschen mit Zöliakie sollten nach Empfehlung des Bundeszentrums für Ernährung ausschließlich entsprechend gekennzeichneten Hafer verwenden.
🛒 Ab sofort bei mir im Laden
Du kannst meinen Nackthafer ab sofort kiloweise bei mir im Laden kaufen. Du erhältst kein anonymes Korn aus irgendeinem Großhandel. Du bekommst Nackthafer, der auf einem meiner Äcker in Dirmingen gewachsen ist und dessen Weg ich vom Saatkorn bis zur fertigen Packung begleitet habe.
Mit Deinem Einkauf nimmst Du mir nicht nur ein Produkt aus dem Regal. Du unterstützt auch die Idee, wieder mehr besondere Getreidearten in unserer Region anzubauen und neue Wege auszuprobieren. Denn solche Versuche können nur weitergehen, wenn die daraus entstehenden Lebensmittel auch gekauft und gegessen werden.
Probiere meinen Nackthafer aus. Vielleicht wird aus diesem ersten Versuch auf meinem Acker schon bald ein fester Bestandteil auf Deinem Frühstückstisch.
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