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6. Oktober 2026 · Christina

Meine letzte Ernte des Jahres, Buchweizen aus Eppelborn

Blick aus dem Traktor auf das geerntete Buchweizenfeld mit Mähdrescher und Windrad

Heute ist meine letzte Kultur für dieses Jahr vom Acker gekommen. Mein Buchweizen ist geerntet.

Damit endet für mich die Ernte dieses Anbaujahres. Zumindest auf dem Acker. Denn wie so oft beginnt nach dem Mähdrescher erst der nächste Teil der Arbeit.

Buchweizen ist für mich eine besonders spannende Kultur. Nicht nur, weil daraus ein interessantes und vielseitiges Lebensmittel entstehen kann. Sondern auch, weil man ihn auf unseren Äckern kaum noch sieht.

Das habe ich in den vergangenen Wochen selbst gemerkt. Mehrere Landwirte haben mich angesprochen und gefragt, was ich da eigentlich auf meinem Acker stehen habe. Andere wollten wissen, warum ich das Feld noch immer nicht geerntet habe.

Für mich zeigt das sehr schön, wie selten Buchweizen bei uns inzwischen geworden ist.

Buchweizen, keine neue Modepflanze

Dabei ist Buchweizen keineswegs eine neue Modepflanze. Seine Geschichte reicht viele Jahrhunderte zurück. Ursprünglich stammt er aus Asien und verbreitete sich später auch in Europa. Besonders auf ärmeren Böden war er früher interessant, weil er vergleichsweise schnell wächst und keine besonders lange Vegetationszeit benötigt.

Der Name Buchweizen führt allerdings ein wenig in die Irre. Buchweizen ist kein Weizen und botanisch überhaupt kein Getreide. Er gehört zu den sogenannten Pseudogetreiden. Seine Früchte lassen sich aber ähnlich wie Getreide nutzen.

Wenn Du dir ein Buchweizenkorn genauer anschaust, erkennst Du sofort einen Unterschied. Die Früchte sind nicht rund wie viele klassische Getreidekörner, sondern auffällig dreieckig und kantig.

Deutz-Fahr TopLiner Mähdrescher auf dem geernteten Buchweizenfeld

Warum der Erntezeitpunkt so schwierig ist

Gerade diese kleinen dreieckigen Früchte machen die Ernte aber spannend.

Buchweizen hat nämlich eine Besonderheit, die die Bestimmung des richtigen Erntezeitpunktes schwierig macht. Die Pflanze reift nicht gleichmäßig ab.

Auf derselben Pflanze können noch weiße Blüten zu sehen sein, während daneben bereits grüne unreife Früchte hängen. Gleichzeitig gibt es braune und vollständig reife Früchte und manche der früh gereiften Früchte sind bereits ausgefallen.

Eigentlich wartet man bei der Ernte gerne auf einen klaren Zeitpunkt. Die Pflanze ist reif, das Korn ist trocken und dann wird gedroschen.

So einfach macht es einem der Buchweizen nicht.

Warte ich zu lange, verliere ich einen Teil der bereits reifen Früchte. Ernte ich zu früh, habe ich entsprechend viele grüne und feuchte Bestandteile im Erntegut.

Irgendwann muss ich deshalb entscheiden, wann der beste Kompromiss erreicht ist.

Genau das war vermutlich auch der Grund, warum mich andere Landwirte gefragt haben, warum mein Buchweizen noch immer steht. Von weitem kann eine Buchweizenpflanze noch erstaunlich lebendig und grün aussehen, obwohl bereits ein großer Teil der Früchte reif ist.

Heute war für mich der richtige Zeitpunkt gekommen.

Markus Brill mit seinem Mähdrescher

Beim Dreschen war Markus Brill wieder mit seinem Mähdrescher dabei. Dafür bin ich wirklich dankbar. Markus unterstützt mich immer wieder mit Rat, seiner Zeit und seinen Maschinen.

Gerade meine eher ungewöhnlichen Kulturen bedeuten manchmal auch ungewöhnliche Aufgaben. Dann ist es viel wert, jemanden zu haben, der nicht einfach sagt, das haben wir noch nie gemacht, sondern gemeinsam mit mir überlegt, wie wir es hinbekommen.

Mähdrescher entlädt geernteten Buchweizen in einen Anhänger auf dem Feld

Nach der Ernte kommt die Trocknung

Nach dem Dreschen kann ich den Buchweizen allerdings noch nicht einfach einlagern.

Im frisch geernteten Material befinden sich noch viele grüne Bestandteile. Auch Teile der Pflanze bringen zusätzliche Feuchtigkeit mit in den Anhänger.

Genau diese Feuchtigkeit muss jetzt raus.

Deshalb kommt wieder mein eigener Trocknungsanhänger zum Einsatz. Ich werde den frisch geernteten Buchweizen dort zunächst etwa 24 Stunden lang belüften. Luft wird durch das Erntegut geführt und transportiert die überschüssige Feuchtigkeit ab.

Erst wenn das Erntegut ausreichend trocken ist, kann ich es sicher einlagern und anschließend weiterverarbeiten.

Das ist einer dieser Arbeitsschritte, die später niemand mehr sieht, wenn ein fertiges Produkt bei mir im Laden steht.

Frisch geernteter Buchweizen im grünen Anhänger mit Belüftungsrohr

Zwischen Feld und fertigen Produkt

Zwischen einem Feld voller Buchweizen und einer Packung Buchweizenmehl liegen eben viele einzelne Schritte. Säen, beobachten, auf Regen hoffen, auf zu viel Regen schimpfen, den richtigen Erntezeitpunkt bestimmen, dreschen, trocknen, reinigen, lagern und schließlich verarbeiten.

Wofür der ganze Aufwand?

Buchweizen ist unglaublich vielseitig.

Die geschälten Körner können gekocht und ähnlich wie Reis als Beilage verwendet werden. Sie passen in herzhafte Gerichte, Salate oder Bratlinge. Geröstet entwickelt Buchweizen ein kräftiges und leicht nussiges Aroma.

Besonders bekannt ist Buchweizen aber als Mehl. Daraus lassen sich zum Beispiel Pfannkuchen, Waffeln, Crêpes, Kuchen und anderes Gebäck herstellen. In Frankreich kennt man die herzhaften Galettes aus Buchweizenmehl, in Osteuropa hat Buchweizen ebenfalls eine lange Tradition und in Japan sind Soba Nudeln ein bekanntes Beispiel für die Verwendung von Buchweizen.

Buchweizen ist außerdem von Natur aus glutenfrei. Das macht ihn für viele Menschen besonders interessant. Wer aus medizinischen Gründen vollständig auf Gluten verzichten muss, sollte allerdings darauf achten, dass auch bei Reinigung, Verarbeitung und Verpackung keine Vermischung mit glutenhaltigem Getreide stattfindet.

Geschmacklich finde ich Buchweizen ebenfalls spannend. Er schmeckt deutlich charaktervoller als gewöhnliches helles Weizenmehl. Leicht nussig, kräftig und ein bisschen ursprünglich.

Alte Kulturen wiederentdecken

Genau solche Lebensmittel möchte ich wieder stärker in den Mittelpunkt stellen.

Ich möchte auf meinen Äckern nicht ausschließlich das anbauen, was sowieso überall wächst. Ich möchte alte Kulturen wiederentdecken, neue Kulturen ausprobieren und herausfinden, was unter unseren Bedingungen im Saarland funktioniert.

Manchmal klappt das hervorragend. Manchmal geht ein Versuch gründlich daneben. Und manchmal brauche ich mehrere Jahre, bis ich weiß, wie ich mit einer Kultur umgehen muss.

Auch das gehört für mich zu ehrlicher regionaler Landwirtschaft.

Ich möchte nicht nur das perfekte Endprodukt zeigen. Ich möchte auch erzählen, wie es entstanden ist. Mit Erfolgen, Fehlern, Wetterproblemen, improvisierten Lösungen und jeder Menge Arbeit.

Mein Buchweizen ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel.

Was jetzt passiert

Heute steht er noch frisch geerntet in meinem Trocknungsanhänger. Jetzt laufen erst einmal rund 24 Stunden die Lüfter. Danach schaue ich mir Feuchtigkeit und Zustand genau an. Wenn alles passt, kann der Buchweizen eingelagert werden.

Und dann beginnt irgendwann der schönste Teil der Geschichte.

Aus einer ungewöhnlichen Pflanze auf einem meiner Äcker wird ein Lebensmittel aus Eppelborn.

Die Erntesaison endet, das nächste Jahr beginnt

Mit der heutigen Ernte endet gleichzeitig meine Erntesaison. Lange ruhig wird es trotzdem nicht. Die nächsten Wochen gehören bereits der Herbstaussaat und damit beginnt praktisch schon das nächste Anbaujahr.

Ich werde in Kürze ausführlich darüber berichten, was dieses Jahr auf meinen Äckern funktioniert hat, welche Versuche gescheitert sind, was mich überrascht hat und welche Kulturen ich im kommenden Jahr anbauen möchte.

Denn genau diese Vielfalt möchte ich erhalten und weiter ausbauen.

Das kann ich allerdings nicht alleine. Ich kann säen, ausprobieren, ernten, trocknen und neue Produkte entwickeln. Dauerhaft funktioniert dieses Konzept aber nur, wenn Du diese regional erzeugten Lebensmittel auch kaufst und verwendest.

Jeder Einkauf entscheidet ein kleines Stück mit darüber, ob solche Kulturen auch im nächsten Jahr wieder auf meinen Äckern wachsen.

Und vielleicht schauen dann irgendwann nicht mehr ganz so viele Menschen verwundert auf ein Feld mit Buchweizen.

Leckere, ehrliche Grüße

Deine Christina

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